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Wie alles begann!

Geschichtlicher Rückblick …

Chronik

Unsere Chronik wird derzeit überarbeitet.
Anstatt dessen dürfen wir sie über einen Jahresrückblick aus der Sicht unseres Einsatzbusses informieren.

 

Jahresrückblick des Einsatzbusses der Bergrettung Lackenhof!

Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle. Ich bin der Einsatzbus der Bergrettung Lackenhof, ein VW T5 Transporter und höre auf den Namen SB524DW. Zugelassen wurde ich am 1. Oktober 2008, ich habe also schon eine paar Jahre, viel Erfahrung und etwas über 60.000 Kilometer auf meinen Achsen. Wie viele Höhenmeter ich in meinem abwechslungsreichen Leben schon erklommen habe, wurde nicht aufgezeichnet, die Zahl wird aber der des Kilometerstandes ähnlich sein.

Sportwissenschaftlich betrachtet bin ich ein Universalgenie, ich beherrsche Sprint, Mittelstrecke und Langstrecke und als Königsdisziplin den Berglauf. Durch meinen Allradantrieb und mein höhergestelltes Fahrwerk bin ich ein Kompromiss zwischen Geländegängigkeit und Funktionalität. Ich habe meinen Standort im schmucken Bergrettungshaus in Lackenhof und so bekomme alles mit und bin immer mittendrin im Geschehen.

Den Hauptanteil meiner Fahrten machen Kurzstrecken aus. Mit Schulungen und Übungen rüsten sich meine Kameraden für ihre verschiedenen Einsätze. Manchmal muss ich gar nicht ausfahren, da finden Schulungen direkt im Bergrettungshaus statt. Themen sind Orientierung, Gebietskunde, behelfsmäßige Bergemethoden oder Erste Hilfe. Andere Monatsabende führen uns in die Umgebung in felsiges Gelände, auf wenig bekannte Wanderrouten, in Klettergärten und auf Klettersteige.

Den Bergsprint überlasse ich gerne meinem kleine Bruder, dem Quad, mit dem meine Kameraden im letzten Winter etwa achzig mal im Schigebiet ausgerückt sind, um Verletzten zu Hilfe zu eilen.

Wenn es aber um Kameraden- und Materialtransport auf den Berg geht, da bin ich die klare Nummer eins. Ich habe eine Dachgalerie und mit meinen neun Sitzplätzen kann ich in kurzer Zeit viele Einsatzkräfte und viel Material zum Ort des Geschehens bringen. Meine Lade- und Transportkapazität werden im Sommer wie im Winter auch abseits vom Einsatzgeschehen ausgenutzt, etwa bei der Labestelle beim Almkirtag am Hochbärneck oder bei den gemeinsamen Skitouren zu Weihnachten und zum Jahreswechsel. Was glauben Sie, wie viele Personen mit Skitourenausrüstung kann ich auf einmal transportieren?

Mittelstrecken-Fahrten absolviere ich hauptsächlich im Gebiet West und in ganz Niederösterreich durch die Teilnahme an Sitzungen und Schulungen wie z.B. heuer mehrmals für das neue EDV-System. Viele meiner Kameraden sind auf Landesebene aktiv und damit im ganzen Land unterwegs – als Hundeführer, Einsatz- und Ausbildungsleiter, in der Sanitätsausbildung und als Canyoningspezialisten. Im Mai gerieten wir bei der Heimfahrt von einer Canyoning-Übung in ein Unwetter mit kleinräumigen Überschwemmungen. Ich wurde nass und dreckig bis auf die Dichtungen!

Üungen führen uns in unsere Nachbarortsstellen und auch Einsätze, wenn etwa bei einem Lawinenabgang am Hochkar oder bei einer Suchaktion im Dürrensteingebiet viele Bergretter gebraucht werden. Ebenfalls auf Hochkar führte uns ein Ausflug im Oktober, wir sind über den Klettersteig auf- und in die Hochkarhöhle hinabgestiegen.

Üben müssen auch die Behörden ihr Aufgabenspektrum bei großen Schadensereignissen oder Katastophen, deshalb hat im vorigen September im Erlauftal die Erde gebebt, ein Stillstand des Sesselliftes auf den Großen Ötscher war die Folge.

Bereits fokussiert auf diese Übung war am Vortag unsere Flexibilität gefragt. Am Nachmittag wurden wir alarmiert, dass zwei Bergsteiger am Rauhen Kamm aufgrund des Schnees und des einfallenden Nebels in Notlage geraten waren. Mein kleiner Bruder und ich haben acht Kameraden zum Schutzhaus auf den Ötscher gebracht. Sie stiegen dann zum Gipfel auf und weiter zum Rauhen Kamm. Gesichert durch ein Seilgeländer und in Begleitung meiner Kameraden könnten die beiden selbstständig zum Gipfel auf- und dann zum Schutzhaus absteigen.

Die Katastrophenübung selbst war für mich dann ein großes Familientreffen, ich durfte mit zahlreichen anderen Einsatzfahrzeugen, Hubschraubern, Kameraden und anderen Einsatzkräften bei der Rettung von 120 Personen vom Lift tatkräftig mithelfen.

Generell sind der frühe Herbst und der späte Winter für uns eine spannende Zeit. Wenn im Flachland noch oder schon die Sommerreifen montiert sind, tragen das Quad und ich noch unsere „Winterpatscherl“. So konnten meine Kameraden mit dem Quad – mit seinem Raupenantrieb – im April eine verletzte Tourengeherin rasch vom kleinen Ötscher holen.

Im Winter bekomme ich ebenfalls hin und wieder Besuch von meinen Cousins aus anderen Ortsstellen. Werden kurzfristig Skirennen angesetzt, die einen Bereitschaftsdienst der Bergrettung erfordern, helfen uns dankenswerter Weise Kameraden aus anderen Ortsstellen aus. Eine Premiere stand heuer im Jänner am Programm, der Snowboard-Weltcup hat Station in Lackenhof gemacht, meine Kameraden waren an mehreren Tagen mit einer Mannschaft in Bereitschaft.

Flexibilität bewiesen haben wir wieder an einem Samstag im Juli. Ich war bereits startklar für die Auffahrt auf den Ötscher, wo wir im Rahmen des Ötscher-Ultra-Marathons zur Sicherung im Fels eingeteilt waren. Just zu diesem Zeitpunkt geriet ein Schwammerlsucher am Gaminger Polzberg in Not. Wir konnten ihn rasch bergen und uns dann der geplanten Aufgabe am Ötscher widmen.

In den wohl zwei heißesten Wochen des Jahres in der ersten Augusthälfte kamen wir mehrmals ins Schwitzen. Zuerst fand unser Ausbildungswochenende statt, da musste ich schon mal als Standplatz für den Aufbau einer Seilbahn herhalten. Danach wurde noch eine Liftbergung geübt und nach der Übernachtung in unserer Bergrettungshütte am Ötscher erfolgte am nächsten Tag eine Bergung im Steilgelände. Am nächsten Wochenende waren wir bei der Gipfelmesse am Ötscher vor Ort.

Rund um diese Veranstaltungen wurden wir neunmal zu Einsätzen gerufen – vom Gipfel des Ötschers bis hinunter zu den Schluchten der Erlauf und mit den verschiedensten Herausforderungen: Am Ötscher verletzten sich zweimal Wanderer am Knöchel, ein weiterer erlitt einen medizinischen Notfall. Am Raneck verletzte sich ein Forstarbeiter, bei Löscharbeiten bei einem Waldbrand beim Trefflingfall sicherten wir gemeinsam mit der Bergrettung Kirchberg die Feuerwehrleute. Zwei Wanderer gerieten am Rauhen Kamm in Bergnot, ebenfalls am Rauhen Kamm stürzte eine Bergsteigerin und beim Schleierfall ein junger Mann mehrere Meter in die Tiefe. Einen Paragleiter mussten wir nach missglückter Landung aus dem Fichtenwald bei der Ötscherwiese bergen. All diese Einsätze konnten von meinen Kameraden in sehr guter Zusammenarbeit mit anderen Einsatzorganisationen bewältigt werden.

Schon seit vielen Jahren findet Ende August oder Anfang September bei uns in Lackenhof ein zweitägiges Endurorennen statt. Auch hier leisten meine Kameraden Bereitschaftsdienst und ich darf meine zweirädrigen Benzinbrüder treffen. Leider erfordert deren Fahrweise doch immer wieder den aktiven Einsatz meiner Kameraden.

Bergretter zu sein, das bedeutet ehrenamtliches Engagement und das müssen meine Kameraden mit Beruf und Familie unter einen Hut bringen. Manche Tage meiner Kameraden sind daher so lang und intensiv, wie es unsere Einsätze selbst auch sein können.

So stand an einem Samstag im Dezember eine Übung zur Vorbereitung auf den Winterdienst im Skigebiet auf dem Programm, abends trafen wir uns zu einer stimmigen Weihnachtsfeier in der Kartause Gaming. Ein Monatsabend und eine Übung im Jänner hatten den Schwerpunkt Lawine, bei der Übung selbst herrschten dann sehr widrige Bedingen – ein Schneesturm tobte sich über Lackenhof aus.

An einem Samstag im Februar traf sich der Vorstand zu einer der mehrmals im Jahr nötigen Sitzungen. Zur Tagesordnung zählte unter anderem die Überlegung, ob und wann ein neuer Bus angeschafft werden muss. Die Kosten würden im hohen fünfstelligen Bereich liegen. Da hab ich ganz kräftig mit den Außenspiegeln gewackelt und der Vorstand war sich rasch einig, dass auf mich sehr gut aufgepasst wird und ich gehegt und gepflegt werde.

Kaum war dieses Thema abgehakt, wurden wir zu einem Einsatz auf die Ötscherwiese gerufen. Ein Tourengeher hatte im Auslauf einer Ötscherrinne gesundheitliche Probleme, hier kam erstmals unser Defibrillator zum Einsatz. Dem nicht genug, übten meine Kameraden am Abend bis in die Nacht hinein eine aufwändige Bergung im winterlichen Steilgelände.

Eine Woche zuvor waren wir wieder auf den Großen Ötscher im Einsatz, am Rauhen Kamm gerieten diesmal drei Personen in Notlage. Diesmal kamen auch meine entfernten Verwandten – die Pistenraupen der Liftgesellschaft – zum Einsatz. Nach der Alarmierung in den Abendstunden transportierten sie zehn Kameraden zum Schutzhaus. Auch bei diesem Einsatz wurden die Tourengeher über den Rauhen Kamm gesichert und sie konnten dann kurz vor Mitternacht in Begleitung meiner Kameraden selbst ins Tal abfahren.

Mein Einsatz auf Langstrecken sind oft etwas Besonderes, auch für meine Kameraden: die Teilnahme am Eis- und Gletscherkurs, an der Skihochtourenwoche oder auch Transport zum Flughafen für Expeditionen und Touren im Ausland. Eine Skitour hat uns Anfang März zum Dachstein – zur Rumplerrunde – geführt. Stellen Sie sich vor, auf einer Hütte haben wir einen der drei Bergsteiger getroffen, der ein Monat zuvor am Ötscher unsere Hilfe gebraucht hatte. Diesmal ging aber alles gut!

Lieber Leser, dies ist nur ein Teil meiner Erlebnisse in den letzten zwölf Monaten. So gerne ich mitten im Geschehen bin, ist es mir aber doch am liebsten, wenn Sie sich gut vorbereitet auf Tour begeben und ich meine Garage erst gar nicht verlassen muss.